Kinder des Krieges
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Am 14.07.2004 wurde der Literaturkreis der Stadt Alsdorf gegründet.
Wir gaben uns den Namen

„Wort-Reich“- Literaturkreis der Stadt Alsdorf


Hier treffen sich regelmäßig Menschen, die gerne schreiben und vorlesen. Anfangs waren wir 20 Mitglieder, die sich jetzt aber auf einen Stamm von 12 reduziert haben. Einmal im Monat trägt jeder eine Geschichte oder ein Gedicht vor über ein vorher ausgesuchtes Thema. Interessant ist dabei, wie jeder das Thema behandelt. Denn Begriffe wie „Begegnungen“, „Liebe“, oder „Zeit“ sieht jeder anders und schreibt seine Version des Themas darüber. So entstehen oft totale Gegensätze, die höchst interessant sind.
Außerdem planen wir Lesungen, die öffentlich in der Stadtbücherei der Stadt Alsdorf abgehalten werden.Interessant ist das Altersspektrum:
Unsere jüngste Teilnehmerin ist 16 Jahre alt und die älteste 82. Dazwischen gibt es viele andere Altersgruppen. Alles in Allem betrachtet ist der Literaturkreis der Stadt Alsdorf für jeden der gerne schreibt und liest eine interessante und natürlich auch spannende Sache. Wer aus der Gegend ist und unserem Literaturkreis beitreten möchte kann sich gerne mit mir darüber in Verbindung setzen.


Wir treffen uns regelmäßig in der Burg Alsdorf.


Neue Geschichte: Außergewöhnliche Menschen


Der blaue Klaus


Eigentlich hieß er Dieter. Aber da er so unbeholfen und eigentlich dumm war nannten ihn nur alle „Blauer Klaus“, der Außerirdische aus der Fernsehschau „Der große Preis“ mit Wim Toelke. Der blaue Klaus war aber auch ein Trottel. Alles was er machte ging schief. Er war Techniker, eigentlich Elektriker. Wie er seine Gesellenprüfung bestanden hatte, wusste niemand. Es gab nichts was er nicht falsch machte. Wir waren eine Arbeitsgruppe von 8 Leuten. Da fiel so einer kaum auf. Irgendeiner korrigierte immer seine missratenen Arbeitsversuche. Mir fallen dazu einige Anekdoten ein. Er sollte zusammen mit anderen einen Flächenrost bauen. Das war ein Gerüst von Alustangen unter der Decke. Die Decke war 5 Meter hoch und er benutzte eine dementsprechende Leiter. Die Gruppe arbeitete den ganzen Tag daran und als ich als Montagegruppenleiter den Feierabend ankündigte sollten alle noch aufräumen. Aber der blaue Klaus schaffte es nicht, seine Leiter zu entfernen. Er hatte einige Alustangen durch die Leiter verlegt und an der Wand mit dicken Dübeln befestigt. Die Leiter war eingebaut. Alle hielten sich den Bauch vor Lachen. Der blaue Klaus stand nur da und sah verblüfft drein. Ich sagte nur, dass wir morgen das wieder richten werden und schickte alle nach Hause. Am nächsten Tag waren drei von ihnen damit beschäftigt, alles wieder abzubauen und korrekt zu montieren. Der blaue Klaus wurde von mir nicht eingesetzt. Er wollte nur seine Werkzeugkiste aufräumen. Und da ich keine Lust auf seine Eskapaden hatte, lies ich es zu. In der Kiste befanden sich hunderte von Schrauben, Muttern und Dübeln, sowie sein komplettes Werkzeug, was nicht wenig war. Alles war durcheinander geraten. Er brauchte zwei Stunden für das sortieren. Wir ließen ihn in Ruhe, streng nach dem Motto, dabei könne er nichts falsch machen. Danach stieg er wieder auf seine Leiter um den anderen zu helfen. Seine aufgeräumte Werkzeugkiste stand unten unter der ersten Stufe der Leiter. Ein Kollege sagte ihm er solle aufpassen, wenn er die Leiter herunter kommt, damit er nicht in die Kiste trete. „Ich bin doch nicht blöde“ sagte der blaue Klaus daraufhin. Eine halbe Stunde später waren sie fertig und wollten aufräumen. Der blaue Klaus kam die Leiter herunter und trat voll in seine aufgeräumte Werkzeugkiste, die mit einem Getöse umkippte und alles auf den Boden schüttete. Das Gelächter war riesengroß. Jetzt musste der blaue Klaus zwei Stunden wieder alles einräumen. Er war sauer aber selbst schuld. Ein paar Tage später mussten wir in einen anderen Ort um da Stromschienen zu verlegen. Da bei uns der Strom nie abgeschaltet wurde, wir hatten nur 60 Volt, traute sich so richtig niemand daran. Ich wusste das und wollte das selber machen. Da die Ströme bei uns so groß waren, floss der Strom durch Schienen die außen mit Eternit isoliert waren. Ich stand auf der Leiter und bohrte ein Loch in die Schiene. Ich hatte gerade erst damit begonnen. Der blaue Klaus stand unter meiner Leiter und bekam die ersten Späne auf seine Jacke. Kaum hatte er das bemerkt, sagte er nur: „Das ist ja Holz. Kann denn Holz Strom leiten?“ Schon viel bei mir der Groschen. „Natürlich fließt der Strom bei uns durch Holz. Das ist kanadische Eiche, extra für uns gezüchtet.“ Er kam die Leiter herauf und schaute in das Loch. „Tatsächlich. Holz.“ Er ging wieder hinab und arbeitet weiter unter meiner Leiter. Dann kam ich auf Kupfer und die Späne fielen wieder auf seine Jacke. Er kletterte die Leiter wieder rauf und schaute wieder ins Loch. „Du hast mich verarscht. Da ist doch Kupfer drin.“ „Aber kennst du nicht den faradäischen Effekt, dass Strom nur auf der Außenhaut fliest?“ Er war total verunsichert und zweifelte an dem was er gelernt hatte. An dem Tag war er für nichts mehr zu gebrauchen. Er saß an unseren Pausentisch und heulte. Am nächsten Tag, als wir am Frühstückstisch saßen, aß einer der Handwerker Erdnüsse, die er genüsslich knackte. Als das der blaue Klaus sah, sagte er nur: „Was ist das?“ „Aber das sind Erdnüsse.“ „Erdnüsse gibt es nur in Plastiktütchen. Das weis ich aus der Sendung mit der Maus.“ Alle hatten wieder einen Grund zum Lachen. Und der blaue Klaus fühlte sich wie immer auf den Arm genommen. Ab da nahm ihn niemand mehr ernst. Er wurde nur noch verarscht. Das ging so weit, das er mich abends zu Haus anrief und mir vorheulte wie er doch von den anderen auf den Arm genommen wurde. Er wolle das mit dem Chef besprechen und ich sollte dabei sein. Das Gespräch fand am nächsten Tag beim Chef statt. Der entschied, dass Dieter in eine andere Arbeitsgruppe versetzt werden solle. Aber man kannte ihn überall und es kam wie es kommen musste. Er wurde weiter gedemütigt bis er dann um eine Versetzung in ein anderes Ressort bat. Dort ging es ihm ähnlich aber wir verloren langsam den Kontakt zu ihm. Was heute aus ihm geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe ihm schon Jahre nicht mehr gesehen.